Auschwitz

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts planen die Geschichtslehrer in den kommenden Jahren eine Studienfahrt in die ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz und Birkenau. Herberge finden die Studienfahrer dabei in der „Internationalen Jugendbegegnungsstätte“ (IJBS) im heutigen Oswiecim (Auschwitz).

Nach einer langen Anreise mit dem Bus erreichen die Schülerinnen und Schüler ihr Ziel am frühen Morgen. Auch wenn man im Bus nicht den Schlaf finden kann wie man es zu Hause gewohnt ist, sind die meisten doch gut ausgeruht und bereit, gleich nach dem Frühstück den Besuch des Stammlagers I direkt in Auschwitz anzugehen.

Dieses Lager ist berühmt für den Schriftbogen über dem Eingangstor: „Arbeit macht frei“. Geht man die ersten Schritte ins Lager, dann spürt man bereits, wie zynisch dieser Spruch zu bewerten ist. Die Häuser sind hier alle gut erhalten und beherbergen viele Utensilien, die den Holocaust bis zum heutigen Tag dokumentieren. Finden kann man hier alte Dosen, in denen das Giftgas Zyklon B aufbewahrt wurde. In anderen Räumen wurden Kochgeschirr, Töpfe und Löffel gesammelt, alles Gegenstände, die die ins Lager deportierten Menschen bei sich trugen in der Annahme, dass sie dort benötigt werden würden. In wieder anderen Räumen sind sehr viele Fotos von den im Lager Festgehaltenen angebracht. Jedes einzelne Gesicht spiegelt den Schrecken des nationalsozialistischen Terrorregimes wider und jedes Gesicht birgt ein eigenes grauenhaftes Schicksal.

Geht man die Gassen zwischen den Häusern entlang, dann passiert man den berüchtigten Appellplatz, auf dem die Gefangenen als „Strafmaßnahme“ oft stehen mussten, bis sie bewusstlos zusammenbrachen. Aufgrund mangelnder Ernährung trat infolgedessen häufig der Tod ein, ungeachtet der Quälereien, die die Menschen sonst noch zu ertragen hatten. Manche der Foltermethoden sind bis zum heutigen Tag so schrecklich, dass einen allein der Gedanke an solche Brutalitäten erschaudern lässt.

Am zweiten Tag besuchen die Studienfahrer das Stammlager II, das man eher unter dem Namen „Birkenau“ kennt. Birkenau deshalb, weil im hinteren Teil des Lagers bis heute viele Birken stehen, die – wenn sie sprechen könnten – sicher manches über das Leben und Sterben im Lager berichten könnten. In diesem Lager hatten sich die Nationalsozialisten zum Ziel gesetzt, die dort einsitzenden  Menschen so bald als möglich zu vernichten. Ein Großteil der im Lager Ankommenden wurde bereits an der „Rampe“ selektiert, d. h. diese Menschen wurden bereits nach ihrer Ankunft in die Gaskammern geschickt. Bereits wenige Stunden nach ihrer Ankunft mussten sie den Tod in den Gaskammern erleiden. Die anderen, arbeitsfähigen Menschen, wurden in den Baracken des Lagers untergebracht, wobei die durchschnittliche Überlebensdauer bei lediglich drei Monaten lag.

Während das Stammlager I eher durch die erhaltenen Gebäude beeindruckt, lässt einen das Stammlager II mehr durch die Größe und Weite des Geländes erschaudern.

Am dritten Tag der Studienfahrt geht es ins nahegelegene Krakau, der Kulturhauptstadt des Jahres 2000. Dort gibt es eine Stadtführung durch das jüdische Viertel „Kazimierz“. In Krakau selbst leben heute fast keine Juden mehr, man spricht von ungefähr 200 Menschen, die dem jüdischen Glauben angehören und sich in Krakau wieder angesiedelt haben. Trotzdem ist „Kazimierz“ sehr lohnenswert, da die alten Gebäude alle erhalten sind und diesem Stadtteil bis zum heutigen Tag einen eigenen Charme verleihen. Neugierig werden die Schüler meistens an den Orten, an denen der Film „Schindlers Liste“ original gedreht wurde. Gut erkennen kann man beispielsweise die Treppe, unter der sich der jüdische Junge bei den nationalsozialistischen Säuberungen versteckt hielt.

Besonders sehenswert sind natürlich die Marienkirche und die um die Kirche herum angeordnete große Fußgängerzone. Die Marienkirche ist insbesondere für kunsthistorisch Interessierte lohnenswert. Aber auch die Fußgängerzone mit ihren vielen Einkaufsmöglichkeiten bietet für jeden etwas. Darüber hinaus setzen sich die Schülerinnen und Schüler auch gerne mitten in die Fußgängerzone und lassen sich dort von den vielen unterschiedlichen Künstlern verzaubern.

Es sind so viele Eindrücke, die diese Studienfahrt hinterlässt und die mit Sicherheit allen Beteiligten noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Vor allem aber geht es darum, sich mit der deutschen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Nur mit diesem Wissen können wir die deutsche und die europäische Geschichte besser verstehen lernen und uns im Sinne des europäischen Gedankens auch besser verständlich machen.

In diesem Sinne eine allemal lohnende Studienfahrt!

Peter Beck