Die Geschichte der Kastell-Realschule

Der Anfang 1964 - 1972

Volksschule 1923
Volksschule 1923

Die Geschichte unserer Realschule Welzheim beginnt am 7. April 1964 mit dem neuen Schuljahr, das damals noch nach den Osterferien seinen Betrieb aufnahm. 

Der Unterricht startete mit einer fünften Klasse von 41 Schülerinnen und Schülern. Untergebracht war das erste Klassenzimmer der Mittelschule im neuen Gebäude der Bürgfeldschule. Viele Lehrerinnen und Lehrer, die an der Volksschule unterrichteten, wurden auch an der Mittelschule eingesetzt. 

1967 erhielt die Welzheimer Mittelschule erstmals mit Herrn Rauwolf einen eigenen Schulleiter. Zwei Jahre später, also im Jahr 1969, machten die ersten 10-Klässler ihre „Mittlere Reife“.

247 Schülerinnen und Schüler wurden damals von 8 haupt- und 10 nebenamtlichen bzw. nebenberuflichen Lehrern betreut. Das Gebäude reichte anfangs gut aus für die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die die Bürgfeldschule besuchten. Aber schon wenige Jahre nach der Gründung der Schule stiegen die Anmeldungen derart an, dass das vorhandene Raumangebot bei Weitem nicht mehr ausreichte.

Ausgelöst wurde dieser Ansturm durch eine neue Schulpolitik, die sich zum Ziel setzte, kleine Volksschulen aufzulösen und große zentrale Schulzentren zu errichten. In diesem Zuge wurden viele kleine Landschulen geschlossen, u. a. die Schulen in Breitenfürst, Ebni, Burgholz und Aichstrut. Alle diese Schüler kamen jetzt an die Bürgfeldschule. Die Folge war eine große Raumnot, weshalb im Jahre 1967 südlich unseres heutigen Altbaus ein Pavillon mit zwei Klassenräumen errichtet wurde.

Die Weiterentwicklung 1972 - 1990

Schulhaus 1974
Schulhaus 1987
Schulhaus 1990

Im Jahre 1972 wurde das Gebäude der alten Volksschule frei, unser heutiger Altbau. Dort war bis zu diesem Zeitpunkt in etlichen Räumen das Gymnasium untergebracht, das mit dem Neubau jetzt eine neue Unterkunft bekam. Die freiwerdenden Zimmer bezog die Realschule, die dringend neue Räumlichkeiten benötigte. Schließlich wuchs die Schule in diesen Jahren so stark, dass sie durchgängig zweizügig war.

Das aus dem Jahre 1923 stammende Haus wurde in den Jahren 1973 bis 1975 zunächst einer Renovierung unterzogen. Erneuert wurden die Heizung und die Elektroinstallation, aber auch die Fassade bedurfte einer Sanierung.

Während der Renovierungsmaßnahmen mussten einige Klassen ausgelagert werden. Mancher ehemalige Schüler wird sich sicher an die „Idylle“ des Dekanats erinnern, in dem das Wohn- und Schlafzimmer des Dekans als Klassenzimmer diente.

Im Jahre 1977 wurde bereits wieder angebaut. Es entstand ein Neubau mit vier Fachräumen für die Fächer Biologie, Physik/Chemie und Handarbeit.

1980 hatte die Schülerzahl mit 474 Schülern einen vorläufigen Höchststand erreicht. Und wieder wurden Klassenräume gesucht und im Mehrzweckraum der Justinus-Kerner-Halle sowie im Neubau der Sonderschule gefunden.

Durch sinkende Geburtenzahlen einerseits und durch eine gute Lehrerversorgung andererseits sank die Anzahl der Schülerinnen und Schüler pro Klasse. Trotzdem wurden wieder Fachräume benötigt, Klassen mussten wieder ausgelagert werden.

Aus dieser Not heraus beschloss die Stadt Welzheim, einen dreistöckigen Neubau mit Fach-, Klassen-, Lehrer- und Verwaltungsräumen zu bauen.

Stetes Wachstum 1990 - 2003

Ergänzungsbau 1998

Mit Beginn der 90er Jahre hatte jede der damals 16 Klassen endlich ein eigenes Zimmer bekommen, so dass den 365 Schülern, 30 Lehrern und den in der Verwaltung arbeitenden Kollegen ausreichend Platz zur Verfügung stand.

Interessanterweise warfen die damaligen Entwicklungen trotzdem alle Planungen durcheinander. Im Zeitraum zwischen 1990 und 2003 erlebte der Welzheimer Wald einen noch nie da gewesenen Bauboom. Überall wurden neue Baugebiete erschlossen, Welzheim selbst wuchs auf 11000 Einwohner. Die Folgen wurden bald auch in der Schule spürbar. Jedes Jahr gab es neue Schüler-Rekordzahlen.

Im Schuljahr 2001/2002 waren alle sechs Klassenstufen vierzügig und die Schülerzahl stieg auf 623 Schüler. Auf Grund dieser Entwicklung war der Schulalltag schon wieder geprägt von einer Raumnot. Der Not gehorchend wurde an das 1990 erbaute Hauptgebäude ein Anbau geplant, der im Frühjahr 2003 fertiggestellt wurde.

Joachim Fuchs, 10.09.2002, überarbeitet von Peter Beck, 17.10.2015

Rückläufige Schülerzahlen in den Jahren 2004-2015

Renovierung Fassaden 2007
Einweihung Spielplatz 2015

Die Schülerzahlen waren wie auch in vielen anderen Schulen Baden-Württembergs leicht rückläufig, so dass im Jahr 2008/09 nur noch die Hälfte der Klassenstufen vierzügig waren, die andere Hälfte bestand jeweils aus drei Parallelklassen. Nun war die Schule endlich in der Lage, jeder Klasse ein angemessenes Klassenzimmer zur Verfügung zu stellen.

Lange Zeit waren mehrere Klassen ausgelagert gewesen, z. B. in das Gebäude der Sonderschule. Darüber hinaus gab es sogenannte Wanderklassen, also Klassen ohne eine feste Bleibe. Sogar eine Baracke mit zwei elektrisch geheizten Räumen und einer furchtbaren Raumluft war etliche Jahre in Betrieb.

Dank der Schrumpfung um drei Klassen und Dank der Anbauten befand sich die Schule im Schuljahr 2008/09 in einigermaßen komfortablen Verhältnissen. Lediglich der Handarbeitsunterricht und das Fach Kunst waren ausgelagert.

Der leichte Rückgang der Schülerzahlen bzw. der Schulklassen verschaffte in den Folgejahren keine Entlastung, weil der Überhang durch Pensionierungen wieder ausgeglichen wurde. Einige altgediente Kollegen wurden in den Ruhestand versetzt. Erwähnt seien hier die ehemaligen Kollegen Jörg Dröber (2003), Rudi Stenzel (2003), Martin Stolz (2004) und Siegfried Fischer (2008). Die meisten der Genannten gingen nach über 40 Dienstjahren in den Ruhestand.

Weitere einschneidende Personalwechsel gab es in den Jahren 2003 und 2005. Die Lotsen gingen von Bord. Zunächst Konrektor Günther Brügel und ein Jahr später Rektor Wolfgang Jaeschke. Mit großen Feierlichkeiten wurden Frau Andrea März (2003) und Frau Sybille Renz-Noll (2005) als „weibliche Doppelspitze“ ins Amt eingesetzt.

Unterdessen wurden die nächsten Baumaßnahmen geplant. Die Stadt Welzheim wandte eine ganze Menge Geld auf, um Fassade, Dach und Fenster des Altbaus stilgerecht zu renovieren. Darüber hinaus wurden zwei kleine Zimmer im Altbau oben als NWA-Übungsräume  (NWA = NaturWissenschaftliches Arbeiten, der damals neue Fächerverbund aus Biologie, Chemie und Physik) ausgestattet.

Neue Bildungsideen erforderten also auch eine entsprechende neue Raumausstattung. Ähnliches galt für den bundesweiten Trend zur Ganztagesschule. Die Welzheimer Schulen hatten zwar noch lange nicht eine ganztägige Betreuung an drei oder vier Wochentagen, aber es gab doch schon eine ganze Menge Nachmittagsunterricht. Deswegen war der Bau einer gemeinsamen Mensa geboten, die im Jahr 2007 eingeweiht wurde.

Im Herbst 2006 initiierte der Musiklehrer Günther Hahn die erste Welzheimer „Bläserklasse“. Allen Schüler, die das Spielen eines Instrumentes erlernen wollten, wurde die Möglichkeit eröffnet, ohne großen finanziellen Aufwand ein Jahr lang Instrumentenunterricht zu bekommen.

Dieses sehr erfolgreiche Konzept zum Wohle der Schülerinnen und Schüler war der Beginn einer langen und nachhaltigen Zusammenarbeit mit der Musikschule, die bis zum heutigen Tag anhält.

Die folgenden Jahre waren geprägt von vielen pädagogischen Weiterentwicklungen in der Schulart „Realschule“. Eingeführt wurde ein ausgefeiltes Curriculum zur Gewaltprävention, angefangen von Selbstbehauptungstrainings, Pflege eines Klassenrates, eine Initiative gegen Mobbing bis hin zum Projekt „Gewaltfreie Schule“.

Ein wichtiges Element zur Weiterentwicklung der Kastell-Realschule war die Einführung des Coaching-Gedankens. Jedem Schüler wurde ein Lehrer zugeordnet, der den Schüler in regelmäßigen Abständen berät und Hilfestellungen anbietet, um so zu helfen, die schulischen Leistungen des Schülers zu verbessern.    

Darüber hinaus wurden Bildungspartnerschaften gegründet mit den Firmen „ATB Antriebstechnik GmbH“, „Autofreund GmbH“, „Christian Bauer GmbH+Co.KG“, „Oskar Frech GmbH+Co. KG und der „Volksbank Welzheim eG“. Das Ziel war es, den Schülerinnen und Schüler immer bessere Möglichkeiten zu eröffnen, einen für sie geeigneten Beruf zu finden.

In den Jahren ab 2010 brachten rückläufige Schülerzahlen vor allem die Bürgfeld-Werkrealschule ins Wanken. Die Rot-Grüne-Landesregierung verfolgte das Ziel, Schulen mit geringen Anmeldezahlen zu schließen. Aus dieser Not heraus entschlossen sich die Schulleitungen der Bürgfeldschule und der Kastell-Realschule, beide Schulen unter das Dach einer neuen und von der Landesregierung protegierten Schulart „Gemeinschaftsschule“ zu bringen.

Das Kollegium der Kastell-Realschule lehnte dieses Ansinnen ab und vertraute weiterhin auf die Stärke der über viele Jahre gewachsenen Kompetenzen in der Schulart „Realschule“, während die Bürgfeldschule den Schritt zur neuen Schulart Gemeinschaftsschule wagte.

Zwei Jahre nach diesen turbulenten Zeiten, im Jahre 2015, wurde die Rektorin Sybille Renz-Noll in den Ruhestand verabschiedet und wenige Wochen später der neue Schulleiter Peter Beck ins Amt gesetzt.

Martin Marciniak, 05.03.2012, ergänzt von Peter Beck, 17.10.2015