Dachau

19.11.2017 - Peter Beck

Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers in Dachau

Auch in diesem Jahr fuhren die zehnten Klassen mit ihren Geschichtslehrern in das ehemalige Konzentrationslager nach Dachau. Kein anderes Lager existierte über die gesamten zwölf Jahre der NS-Herrschaft.

Hier lernten die SS-Schergen ihr Handwerk. Ein großer Teil der KZ-Kommandanten hat irgendwann zuvor in Dachau in irgendeiner Funktion Dienst getan und dabei das Handwerk des Quälens und Unterdrückens der Menschen gelernt.

Der Rundgang durch das Lager beginnt mit dem Durchschreiten des Lagertores, an dem mit großen Buchstaben der Text „Arbeit macht frei“ angebracht war. Zynisch war der Spruch immer schon gemeint, denn das Lager war weniger ein Umerziehungslager, wie der Spruch Glauben machen sollte, sondern ein Lager, in dem die dort Inhaftierten Sklavenarbeit oft bis zum Tod verrichten mussten.

Wie viele Tote es in den zwölf Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gab, ist heute schwer zu sagen, zumal die Nationalsozialisten einen Großteil der Unterlagen vor der Befreiung des Lagers vernichten konnten. Allein in den verbliebenen Unterlagen sind knapp 32.000 Todesfälle festgehalten, tatsächlich geht man aber von einer weit höheren Zahl von Menschen aus, die hier den Tod fanden.

Besonders grausam waren die Menschenversuche, die die Ärzte im „Namen der Wissenschaft“ mit den Gefangenen verübten. Allein bei Malaria-Versuchen starben Hunderte. Eine Art, die Gefangenen zu infizieren, war das Injizieren von Eiter. Akribisch notierten die ärztlichen Assistenten den Krankheitsverlauf bis zum Exitus. Medikamente wurden verabreicht, um deren Wirkung zu testen, die aber selten den gewünschten Erfolg erzielten, nämlich die Gesundung der Menschen.

Kaum an Zynismus zu übertreffen sind auch die Kälteversuche der nationalsozialistischen Ärzte. Beim Abschuss deutscher Flieger über dem Ärmelkanal kamen viele Flieger ums Leben, was das Interesse der Dachauer Ärzte weckte. Sie steckten Inhaftierte des Lagers in mit Eiswürfeln gekühlte Wasserbecken und beobachteten, nach welcher Zeit die Körpertemperatur jeweils um ein Grad sank, bis schließlich der Herztod eintrat.

Bis zur Befreiung des Lagers im Jahr 1945 durch die Amerikaner waren im Dachauer Konzentrationslager mehr als 200.000 Menschen eingesperrt. Anfangs waren dort politische Gegner des NS-Regimes inhaftiert, später folgten Kriminelle, Christen, Sinti und Roma, Homosexuelle und in besonders großer Zahl Juden.

Obwohl kurz nach dem Krieg die Dachauer kein allzu großes Interesse an der Aufklärung der im Lager verübten Gräueltaten zeigten, ist den Verantwortlichen der Stadt Dachau heute klar, dass das Lager ein Teil der jüngeren Geschichte ist, der man sich stellen muss.

Eine aktive Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte ist es, was die Schülerinnen und Schüler der Kastell-Realschule aus der Fahrt in das ehemalige Konzentrationslager lernen konnten.

Wenn dabei auch noch das Bewusstsein für Recht und Freiheit gestärkt werden konnte, ist von Seiten der begleitenden Lehrer kein Wunsch mehr offengeblieben.