Auschwitz

21.07.2017 - Peter Müller

Studienfahrt nach Auschwitz

Vom 29.05.2017 bis zum 02.06.2017 unternahmen Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 der Kastell-Realschule Welzheim erstmals eine Studienfahrt nach Auschwitz in Polen.

Auschwitz gilt als das Sinnbild des Holocausts (engl., aus altgriech. „vollständig verbrannt“). Dies ist die Bezeichnung für den industriell betriebenen Völkermord der Nationalsozialisten an etwa 6 Millionen europäischen Juden. Allein im Konzentrationslager Auschwitz wurden ungefähr 1,1 Millionen Menschen von den Nationalsozialisten ermordet – darunter etwa eine Million Juden. Das Konzentrationslager Auschwitz wird daher auch als Vernichtungslager bezeichnet.

Montag, 29.05.2017: Die Fahrt nach Oświęcim (Auschwitz)
Wie trafen uns am Montagabend um dreiviertel acht an der Bushaltestelle an der Kastell-Realschule und packten unsere Koffer in den Bus. Wir waren sehr gespannt auf die Erfahrungen, die wir in Auschwitz machen würden und suchten uns einen Platz im Bus aus. Als es losging, verabschiedeten wir uns von unseren Eltern. So fuhren wir jetzt eine Weile bis zur ersten Raststätte. Nach ein Uhr nachts hatten wir noch eine kurze Pause. Dort wechselte der Busfahrer, da er nicht länger als acht Stunden fahren durfte. Wir befanden uns dort nahe der polnischen Grenze. Da es sehr spät war, sollten wir während der Fahrt schlafen, weil es am nächsten Morgen zeitig weitergehen sollte. Allerdings fiel es nicht allen Schülern leicht, im Bus zur Ruhe zu kommen. Kaum war man richtig eingeschlafen, kam eine Raststätte, an der wir Pause machten. Danach gelang es dann aber auch den letzten Schülern, richtig zu schlafen. Es war ruhig und wir waren sehr müde. Als wir Dienstag in der Frühe in Oświęcim (Auschwitz) ankamen, freuten wir uns alle auf das Frühstück und wir waren vom guten Essen positiv überrascht. In Oświęcim waren wir in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) untergebracht. Die Internationale  Jugendbegegnungsstätte ist eine Bildungseinrichtung für Jugendgruppen aus aller Welt, die das Konzentrationslager Auschwitz besuchen. In der Begegnungsstätte kann auch ein Austausch mit anderen Jugendgruppen erfolgen.

Dienstag, 30.05.2017: Konzentrationslager Auschwitz I (Stammlager)
Nach dem Mittagessen in der Herberge sind wir zu Fuß zum Konzentrationslager Auschwitz I (Stammlager) gegangen. Wir waren etwa 10 Minuten unterwegs. Am Konzentrationslager angekommen, mussten wir durch eine Kontrolle, da man keine großen Taschen mit hineinnehmen durfte. Nach der Kontrolle wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe hatte eine Führung.

Wir hatten Kopfhörer an, um unsere Begleiterin besser verstehen zu können. Es waren noch viele andere Schüler- und Besuchergruppen im Konzentrationslager unterwegs. Gemeinsam mit der Führerin betrat unsere Gruppe das Konzentrationslager durch das Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“. Durch diese Aufschrift sollten die Gefangenen noch mehr verhöhnt werden. Unsere Begleiterin hielt oft an, um uns Details über das Konzentrationslager zu erzählen. Im Lager sind wir in die Häuserblocks hineingegangen, in denen die Häftlinge untergebracht waren.

Unsere Führerin hat uns davon erzählt, wie die Häftlinge gelebt und gelitten haben, wie sie von den Aufsehern misshandelt wurden und auch wie sie gestorben sind. Besonders berührend waren die Räume, in denen unzählige Koffer, Schuhe, Brillen und sogar die Haare von ehemaligen Gefangenen aufbewahrt wurden.

Unsere Begleiterin erzählte auch von der „Rampe“ im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, das wir am nächsten Tag besuchen sollten. Dort kamen Häftlinge aus vielen Ländern Europas mit dem Zug an. Sie waren oft tagelang in Viehwaggons unterwegs – ohne Wasser und ohne Essen. Bei der Ankunft an der „Rampe“  wurde darüber entschieden, ob die Ankommenden direkt in die Gaskammer kamen oder ob sie registriert wurden und Zwangsarbeit im Konzentrationslager leisten mussten. Dieser Vorgang wird Selektion genannt.

Als die Führung zu Ende war, sind wir wieder in unsere Herberge gegangen, hatten Freizeit und haben abends gemeinsam zu Abend gegessen.

Mittwoch, 31.05.2017: Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau
Vormittags, nach dem Frühstück, unternahmen wir zu Fuß eine Stadtführung durch Oświęcim. Dabei haben wir auch die Synagoge besucht. Nachmittags, nach dem Mittagessen, besuchten wir das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Zum Konzentrationslager fuhren wir mit dem Bus.

Das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau ist eine Gedenkstätte auf dem Gebiet der polnischen Stadt Oświęcim in Polen. Sie umfasst die erhaltenen und wieder aufgebauten Gebäude der beiden Konzentrationslager Auschwitz I und Auschwitz-Birkenau. Die Fläche beträgt 191 Hektar. Das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz gilt als wichtigstes Symbol für den Holocaust. Die Führung durch das Lager war unbeschreiblich. Die Holzbaracken, die dort standen, erinnerten an kleine Scheunen mit zwei Öfen. Die meisten Baracken waren kaputt oder sie waren abgerissen worden. Ursprünglich standen auf dem Gelände 300 Gebäude. Zu Spitzenzeiten waren in Auschwitz-Birkenau etwa 90.000 Menschen gleichzeitig inhaftiert. Man kann sich nicht vorstellen, wie die Menschen dort gelebt haben. Man zeigte uns die Toiletten in den Sanitärbaracken, die absolut menschenunwürdig waren. Man durfte nur zu bestimmten Zeiten auf das Klo und nachts gar nicht. Neben den Holzbaracken gab es auch noch Baracken aus Stein. In den Baracken schliefen die Häftlinge teilweise zu fünft bis siebt in Schlafkojen. Diese waren etwa ein bis zwei Meter breit. Die Kojen waren wie eine Art großes Stockbett aufgebaut und bestanden aus drei Etagen. Die Waschbaracken waren nicht gerade besser. Die Waschbecken bestanden aus einem Abflussrohr, das in der Hälfte aufgeschnitten war. Frisches, fließendes Wasser gab es für die Gefangenen in Auschwitz-Birkenau nicht.

Später kamen wir an den zerstörten Gaskammern vorbei. Hier wurden Männer, Frauen und Kinder mit Gas ermordet. Die Gaskammern wurden von den Nationalsozialisten kurz vor der Befreiung durch die sowjetische Armee gesprengt. Heute befindet sich hier ein Denkmal, das an die damaligen Opfer erinnern soll.

Unsere Führung ging noch eine Weile. Als nächstes haben wir uns das Gebäude angeschaut, in dem neue Häftlinge aufgenommen und registriert wurden. In diesem Gebäude befanden sich auch Duschen. Außerdem wurde hier die Kleidung der Gefangenen gewaschen. Dies passierte allerdings nur selten. Den Gefangenen wurden alle Haare entfernt – auch die im Intimbereich.

Anschließend sahen wir uns noch die sogenannten „Kanada“-Baracken an, in denen die Wertgegenstände der Inhaftierten gelagert wurden.

Nach einer interessanten Führung sind wir wieder mit dem Bus zur Jugendbegegnungsstätte gefahren. Abends, als es bereits dunkel war, sind wir nochmals im „Haus der Stille“ in der Jugendbegegnungsstätte zusammengekommen. Dort konnten wir uns zu den vielen Eindrücken, die wir beim Besuch der Konzentrationslager gesammelt hatten, äußern und den anderen unsere Gedanken mitteilen. Es war sehr interessant, zu erfahren, wie andere den Besuch wahrgenommen haben.

Donnerstag, 01.06.2017: Besuch von Krakau
Heute sind wir nach Krakau gefahren. Nach der einstündigen Fahrt waren wir endlich da. Wir trafen uns dort an einem Parkplatz mit zwei Stadtbegleiterinnen, die uns in Krakau umher geführt haben. Zuerst waren wir im jüdischen Viertel und haben uns angeschaut, wie die jüdische Bevölkerung dort vor der nationalsozialistischen Besatzung lebte. Nach dem jüdischen Viertel gingen wir nach und nach an Sehenswürdigkeiten und prächtigen Gebäuden Krakaus vorbei. Am beeindruckendsten war der Wawel, die ehemalige Residenz der polnischen Könige. Auch heute wirkt der Wawel noch sehr beeindruckend. Dort erfuhren wir auch von einer alten Legende über den Wawel, die sich die Einwohner Krakaus heute noch erzählen. Sie handelt von einem zerstörerischen Drachen. Für jüngere Kinder war dies ein echtes Highlight, weil die dort stehende Drachenfigur manchmal Feuer spuckte. An einem Stand konnten wir die polnische Backspezialität Obwarzanek probieren. Dabei handelt es sich um ein ringförmiges Gebäck, das geschmacklich etwas an Bagel erinnert. Und so ging die Führung auch zu Ende. Danach durften wir in Gruppen in der Fußgängerzone Krakaus herumlaufen. Nach drei Stunden Bummeln haben wir uns wieder mit unseren Lehrern getroffen. Dann sind alle zurück zum Bus gegangen und zurück zur Jugendherberge in Oświęcim gefahren.

Vor der Abfahrt haben wir in Krakau noch ein Gruppenbild mit allen Teilnehmern der Studienfahrt gemacht.

Freitag, 02.06.2017: Heimreise von Oświęcim (Polen) nach Welzheim
Wir sind um 6:00 Uhr aufgestanden und die, die ihre Koffer am Vortag noch nicht gepackt hatten, haben es dann morgens noch gemacht. Anschließend haben wir um 7:00 Uhr gemeinsam gefrühstückt. Gegen 8:00 Uhr haben wir die Heimreise angetreten und sind mit dem Bus losgefahren. Einige von uns haben im Bus geschlafen und die anderen haben sich mit Musikhören, Lesen oder anderen Dingen die Zeit vertrieben. Unsere Heimreise erfolgte über Katowice, Wroclaw, Dresden und Nürnberg. Kurz vor der Polnisch-Deutschen Grenze haben wir unsere erste Pause gemacht, es war ca. 13:00 Uhr. Anschließend sind wir bis kurz vor Nürnberg weitergefahren. Hier erfolgte dann ein Busfahrerwechsel und wir hatten nochmals eine Pause. Nach der Pause sind wir weiter Richtung Heimat gefahren. Allerdings sind wir durch den starken Reiseverkehr am Wochenende noch einige Zeit im Stau gestanden. Gegen 21:00 Uhr sind wir dann in Welzheim angekommen und alle konnten in die verdienten Pfingstferien starten. Die Studienfahrt nach Auschwitz war sehr interessant. Wir konnten viele wertvolle Erfahrungen sammeln.

Reportage und Fotogruppe