Essen in der Schule

08.12.2017 - Heike Bieg

Nährwert mit Mehrwert verknüpfen

Eine Mensa, die brummt und bei den Schülern ankommt. Das wünscht sich jeder Schulträger, schließlich sind die Investitionskosten für eine moderne Mensa samt Infrastruktur hoch. 1,9 Millionen investierte die Gemeinde Plüderhausen in neue Räume für die Ganztagesbetreuung und in die Essensversorgung im Hohbergschulzentrum. Die 2011 fertiggestellte Mensa genießt einen guten Ruf. Die Frequentierung ist unverändert hoch, Tendenz steigend. Alles richtig gemacht? Ja, aber ein erfolgreicher Mensabetrieb ist eine dauerhafte kommunale Herausforderung. 

Bei Planung und Einrichtung der Schulmensa wurde besonderes Augenmerk auf den Speisesaal gelegt. Das Herzstück der Mensa ist hell und modern durch zusätzliche Stehtische und einer gemütlichen „Chillecke“ zum Entspannen. Der Förderverein der Schule stellte für diesen Wohlfühlfaktor eine stattliche Summe bereit.

Den Schulcampus besuchen 800 Schülerinnen und Schüler aus Grund-, Werkreal- und Realschule im offenen Ganztagsbetrieb. Hauptzielgruppe der Mensa sind die Grundschüler. Hier kommt derzeit eine Generation an die Schule, die vielfach bereits in der Kita zu Mittag gegessen hat.

25.000 Portionen werden pro Jahr ausgegeben. Zum Mittagstisch kommen auch Rektoren, Lehrer und Mitarbeiter des Rathauses. Zum Erfolg der Mensa beigetragen hat eine Reihe von Faktoren, die wie ein Räderwerk ineinander greifen.

Überzeugen mit einem attraktiven Speisenangebot

Gesund und ausgewogen soll es sein, lecker, aber auch Trends aufnehmen. Dabei ist es gar nicht so einfach, den Geschmack der Kundschaft zu treffen, denn kaum ein Thema bietet in Mensen, Kitas und Betrieben so viel Diskussionsstoff wie das Essensangebot.

In der Schulmensa werden täglich 2 Menüs mit Vor-, Haupt- und Nachspeise angeboten, darunter ist immer auch ein vegetarisches Gericht. Das Essen wird von einem örtlichen Caterer frisch gekocht angeliefert („cook & hold“). Auf den Speisplan kommen - gemäß dem Motto „ Abwechslung statt Routine“ -

·         saisonale und regionale Produkte (z.B. Kürbis, Spargel, Erdbeeren, Melone),

·         täglich frische Vitamine in Form von Salat, Gemüse, frischem Obst oder Säften

·         beliebte Klassiker wie Linsen mit Spätzle und Saiten, Maultaschen oder Dampfnudeln,

·         aber auch gesunde „slow food“-Gerichte

·         und leckere - vom Mensa-Team selbst zubereitete - Desserts.

Für die Schüler der höheren Klassen wurde das Angebot um ein täglich wechselndes Snack-Gericht erweitert (z.B. Wilde Kartoffeln mit Dip, Currywurst oder ein großer Salatteller). Damit bleiben viele Schüler während der Mittagspause in der Schule und wandern nicht ab zum nächsten Fastfood-Laden in der Ortsmitte. Qualitätsstandards zu setzen und einzuhalten ist wichtig, aber ohne eine Portion Pragmatismus ist eine breite Akzeptanz bei der Schulverpflegung nicht zu erzielen.

Von Beginn an wurde ein bargeldloses Bestell- und Zahlungssystem eingeführt. Das Mensaessen kann bedienerfreundlich von zu Haus aus im Internet oder am PC-Terminal in der Schule bestellt werden. Der Preis für das Menü beträgt 3,50 €. Die Getränke (Tee und Wasser) sind gratis.

Bewirtschaftet wird die Mensa vom Schulträger selbst. Das war in Plüderhausen eine ganz bewusste Entscheidung des Gemeinderates: Mit eigenem Personal und in direkter Zuordnung zur Gemeindeverwaltung ist dies eine entscheidende Stellschraube bei der Gewährleistung von Kontinuität und Qualität. Ein häufiger Caterer-Wechsel ist unwirtschaftlich und schadet dem Image einer Schulmensa.

Mit einem guten Service punkten

Das ist der Erfolgsfaktor schlechthin: Eine engagierte Mensaleitung, ein eingespieltes Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen, das Hand in Hand arbeitet, freundlich seine Kundschaft bedient und souverän für einen reibungslosen Ablauf sorgt. Schulleitung und Elternbeirat haben einen „Elterndienst“, der im Speisesaal vor allem den jüngeren Schülern zur Seite steht und einen „Schülerdienst“, der in der Spülküche mithilft, auf den Weg gebracht. Dies ist eine spürbare Entlastung des Mensa-Teams, wenn die Schüler in der Zeit von 12.30 Uhr bis 13.45 Uhr in die Mensa strömen.

Die Bilanz nach sechs Jahren Mensabetrieb ist durchweg positiv, aber es gibt  auch neue Herausforderungen. Die Zahl der Schüler mit Allergien bzw. mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten nimmt stetig zu. Auch müssen noch stärker diejenigen Schüler und ihre Familien erreicht werden, die aus Kostengründen auf das tägliche Mensaessen verzichten. Das Teilhabe- und Bildungsgesetz wird noch zu wenig in Anspruch genommen.

Und last but not least: Der gute Ruf der Mensa ist kein Selbstläufer, er muss täglich neu erarbeitet werden und ist eine Gemeinschaftsleistung von Mensa-Team, Caterer, Schule und Schulträger. 

Heike Bieg ist Leiterin des Sachgebiets „Kindergärten, Schulen und Kultur“ in der Gemeinde Plüderhausen